C.F.Jones Stammspieler

Anmeldungsdatum: 06.09.2007 Beiträge: 119
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Verfasst am: 13.10.2007, 17:26 Titel: Tops und Flops der Premier League |
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[Premier League 2007/08] Überraschendes Tabellenbild nach dem 9. Spieltag
Arsenal und Man City überraschen positiv, Chelsea und Tottenham negativ
Nach knapp einem Viertel der Saison spiegelt die Tabelle der Premier League eine doch unerwartete Situation wider: Der FC Arsenal steht ungeschlagen und mit einem Spiel weniger, als die direkten Verfolger auf den Plätzen zwei und drei, ganz oben. Meister ManU hat sich nach schwachem Start gefangen und liegt mit einem Punkt Vorsprung auf den überraschend starken Stadtrivalen, Manchester City, auf dem zweiten Rang. Chelsea rangiert nach durchwachsenem Beginn nur auf Position sieben, die ambitionierten Spurs sind gar nur Siebzehnter.
Zeit der Ernte?
Sieben Siege, ein Remis, keine Niederlage und 19:6 Tore – so einen eindrucksvollen Start hatten den Gunners nicht viele zugetraut. Keiner wusste genau, wie sich die ungeklärte Zukunft von Trainer Wenger und der Verlust von Henry auf die Leistung auswirken würde.
Auf beide Fragen gibt es mittlerweile klare Antworten. Arsène Wenger wird der mit vielen hoffnungsvollen Talenten gespickten, jungen Mannschaft treu bleiben und einen neuen Vertrag unterzeichnen, der bis ins Jahr 2011 läuft. Diese Tatsache ist ein Glücksfall für Arsenal, Kontinuität ist garantiert und das Team kann unter dem Franzosen weiter wachsen. Wenger ist der Baumeister dieses FC Arsenal. Der Verein scheint überhaupt vor einer rosigen Zukunft zu stehen. Durch den Umzug ins neue Emirates Stadium katapultierte man sich an Manchester United (241 mio. Euro) vorbei auf Rang zwei der umsatzstärksten Vereine Europas, nur Real Madrid (290) lag im abgelaufenen Geschäftsjahr vor Arsenal. Ein Großteil dieses Geldes – Finanzchef Edelman spricht von über 100 Mio. Euro – sollen in neue Spieler investiert werden, um das Team weiter zu verstärken. Zudem drängt der russische Milliardär Alischer Usmanov mit Macht in den Club, er hat seinen Aktienanteil mittlerweile auf 21 Prozent aufgestockt.
Ungeachtet der wirtschaftlichen Entwicklung, läuft es auch in sportlicher Hinsicht momentan optimal. Arsenal spielt schönen und erfolgreichen Fußball – der Henry vergessen lässt. Angeführt von einem überragenden Fabregas, der zum Leader aufgestiegen ist, präsentieren sich die Kanoniere in glänzender Verfassung; eine Schwachstelle ist derzeit nicht auszumachen. Die Viererkette um Touré, Clichy, Sagna und Senderos steht gut, das variable und spielstarke Mittelfeld um Fabregas (8 Spiele/4 Tore), Flamini (8/0), Hleb (7/1), Diaby (5/1), da Silva (5/0) und Rosicky (4/1) ist ungemein schwer auszurechnen und der Sturm um Adebayor (6/6) und van Persie (7/5), zeigt sich treffsicher. Einfach ausgedrückt: die Mischung stimmt. Arsenal scheint die Früchte der jahrelangen Aufbauarbeit eher zu ernten, als viele dies erwartet haben.
Der Meister kommt ins Rollen und bekommt Konkurrenz aus der eigenen Stadt
Auf den Plätzen zwei und drei im Ranking liegen die beiden Klubs aus Manchester. Während man Meister United in diesen Regionen der Tabelle erwartet hat, ist die hohe Platzierung für das wiedererstarkte City nach jahrelanger Tristesse noch ungewohnt – wirklich überraschend ist sie allerdings nicht.
Die Citizens profitieren seit dem Sommer von den Millionen ihres neuen Eigentümers, dem in Britannien im Exil lebenden ehemaligen thailändischen Premierminister Thaksin Shinawatra. Der 57-Jährige, der in seinem Heimatland wegen Wahlbetrug und Korruption angeklagt ist, erwarb den Verein inklusive Schulden im Juli für 121,5 Millionen Euro und investierte weitere 60 Mio. in neue Spieler. Ausgesucht wurden die Neuzugänge wie Elano (9 Spiele/3 Tore), Bianchi (7/1), Corluka (9/0), Garrido (9/0), Geovanni (8/2) oder Petrov (9/3) vom – ebenfalls – neuen Trainer: Sven Göran Eriksson. Und der ehemalige englische Nationaltrainer hat ein gutes Händchen bei der Zusammstellung des Kaders gehabt. City ist blendend in die Saison gestartet und konnte bislang alle fünf Heimspiele gewinnen, darunter der prestigeträchtige 1:0-Sieg gegen den großen Stadtrivalen. Die neuformierte Mannschaft präsentiert sich defensiv stark und variabel in der Offensive. Zu den Stützen gehören neben den genannten Neuzugängen, die allesamt zu Stammspielern avancierten, auch Shooting-Star Richards (9/0), Dunne (8/0), Johnson (9/2), Mpenza (8/2) und Hamann (9/0). Der 34-jährige Deutsche erlebt derzeit seinen dritten Frühling und überzeugt im defensiven Mittelfeld. Die Saison ist zwar noch lang, doch im Moment scheint es so, dass die Citizens um die Plätze im internationalen Geschäft mitspielen.
Manchester United kam nur schleppend ins neue Jahr, nach drei Spieltagen war man noch ohne Sieg und stand nur auf Rang sechszehn. Gehandicapt durch Verletzungen (Rooney, Hargreaves, Saha) und einer dreiwöchigen Sperre gegen Cristiano Ronaldo, lief die Offensive nicht rund. Doch die Red Devils erkämpften sich den Erfolg zurück. Sie spielten nicht immer schön und die Ergebnisse waren oftmals knapp, aber sie gewannen sechs Partien in Serie und sind nun der erste Verfolger von Leader Arsenal. Und obwohl die Verletzungsmisere nicht abreißt – derzeit fallen Carrick, Silvestre, Vidic und van der Sar aus – und deutlich wurde, dass die jungen Nachwuchshoffnungen wie Nani, Anderson, Simpson und Piqué noch Gewöhnungszeit in der Premier League brauchen, bleibt Manchester United der Titelfavorit Nummer eins.
Ungeschlagen – aber mit Sand im Getriebe
Eines ist dem FC Liverpool gelungen: Man hat den Saisonstart nicht wie in den vergangenen Jahren total verschlafen und alle Titelchancen früh verspielt. Die Reds sind wie Arsenal in acht Spielen ungeschlagen, haben aber als Viertplatzierter bereits sechs Zähler Rückstand auf die Londoner. Auch wenn die Defensive bei der letzten Partie gegen Tottenham (2:2) zweimal schlecht aussah, das Manko im Liverpooler Spiel ist bisher die Offensive – aus dem Mittelfeld kommt zu wenig Torgefahr, und es werden zu viele Chancen verballert. Bis auf den 6:0-Kantersieg gegen Kellerkind Derby County gelangen der Benítez-Elf in keiner anderen Partie mehr als zwei Treffer. Während einzig die Neuzugänge Torres (8/4) und Voronin (7/3) im Soll liegen, sieht es beim Rest des Teams eher düster aus. Kapitän Gerrard (6/1), der mit einigen Verletzungen zu kämpfen hatte und erst einmal getroffen hat, sucht noch nach seiner Form. Ganz ohne Tore sind noch Kuyt (7/0), Pennant (8/0), Riise (6/0) und der in die zweite Reihe zurückgerutschte Crouch (3/0). Babel (7/1), Sissoko (5/1) und Benayoun (4/1) trugen sich einmal in die Torschützenliste ein, Alonso (5/2) markierte seine beiden Buden im angesprochenen Schützenfest gegen Derby. Benítez verfügt über genügend Alternativen, hat aber die Idealbesetzung noch nicht gefunden.
Für die Reds stehen jetzt zwei ungemein wichtige Spiele an, die vorentscheidenden Charakter für den weiteren Saisonverlauf haben. Erst geht es zum Merceyside-Derby nach Everton und dann gastiert der Tabellenführer Arsenal an der Anfield Road. Wenn Liverpool den Titel nicht aus den Augen verlieren will, darf man sich dabei eigentlich keine Ausrutscher leisten.
Chelsea ohne Mourinho, Tottenham ohne Punkte
Während also der FC Arsenal obenauf ist und sich an der Tabellenspitze sonnt, verlief der Beginn der neuen Spielzeit für die anderen beiden großen Londoner Klubs ganz und gar nicht wunschgemäß. Chelsea konnte bislang nur wenig überzeugen und trennte sich von Erfolgs-Coach Mourinho; die Spurs legten einen kompletten Fehlstart hin und sind die größte Enttäuschung der Liga.
Bei den Blues hatten sich Abramowitsch und Mourinho im Vorfeld der Saison ausgesprochen, die Unstimmigkeiten schienen ausgeräumt und man wollte einen erneuten Angriff auf den Gewinn der Meisterschaft und der Königsklasse starten. Doch Chelsea schleppte sich von Spiel zu Spiel. Die Ergebnisse stimmten nicht und vom angekündigten Offensivfußball war nicht viel zu sehen. Nach dem missglückten Start in die Champions League (1:1 gegen Trondheim) fand die Ehe zwischen Mourinho und Chelsea ein jähes Ende, welches bei Spielern und Anhängern gleichermaßen für Entsetzen sorgte. Mit dem mittlerweile feststehenden Duo Grant/ten Cate soll nun langfristig gearbeitet werden und der Erfolg zu den Blues zurückkehren. Vielleicht bringen die beiden Auswärtssiege in der Premier League (1:0 in Bolton) und der Champions Jeague (2:1 bei Valencia) ja die erhoffte Trendwende. Warum das Starensemble bisher so wenig Harmonie ausstrahlt und schwach spielt, lässt sich nicht wirklich erklären. Es wurde aber wieder einmal deutlich, wie wichtig Frank Lampard (5/3) für diese Mannschaft ist: mit ihm wurde keine Partie verloren, ohne ihn nur einmal (Valencia) gewonnen. Terry mag der Kapitän sein und Drogba der Goalgetter – das Herz des Teams ist Lampard. Und Ballack? Der – immer noch – verletzte Kapitän der deutschen Nationalmannschaft schien unter Mourinho bereits auf dem Abstellgleis gelandet zu sein. Ihm könnte nach seiner Genesung der Trainerwechsel zu Gute kommen.
Ein paar Kilometer nordöstlich von der Stamford Brigde liegt die White Hart Lane, die Heimstätte von Tottenham Hotspur. Und die Spurs, die ja einen Kampfhahn im Wappen haben, werden derzeit arg gerupft: Ganze sieben Punkte (1 Sieg, 4 Remis, 4 Niederlagen) ist die magere Ausbeute nach neun Spielen. Dabei sollte nach dem fünften Rang im letzten Jahr und einigen teuren Neuzugängen – Gareth Bale (FC Southampton, 14.7 Mio.), Younes Kaboul (AJ Auxerre, 12), Adel Taarabt (RC Lens, 4), Darren Bent (Charlton Athletic, 24.75), Kevin-Prince Boateng (Hertha BSC, 7.4), in dieser Saison zum Angriff auf die Champions-League-Plätze geblasen werden. Geblieben sind Ernüchterung und ein Trainer, der um seinen Job bangten muss. Die Gerüchte über eine Ablösung von Martin Jol wollen nicht abreißen. Im Gegensatz zu Liverpool oder auch Chelsea, bei denen es im Angriff hapert, ist bei Tottenham die Defensive das große Problem. Mit 18 Gegentoren stellen die Spurs gemeinsam mit dem FC Reading die zweitschlechteste Abwehr, nur Schießbude Derby County hat noch mehr Treffer kassiert (22). Davon gehen einige klar auf das Konto von Keeper Robinson. Der englische Nationaltorwart ist ein großer Unsicherheitsfaktor, der mal großartige Reflexe zeigt und im nächsten Moment zur Lachnummer wird. Erfolgreichster Torschütze mit vier Treffern ist bislang Robbie Keane (9/4). Der in der Vorsaison so grandios aufspielende Berbatov (8/2) hat, ebenso wie 24-Millionen-Mann Bent (6/1), sein volles Leistungsvermögen noch nicht abrufen können. Das Team hat zweifellos viel mehr Potential als der jetzige Tabellenplatz zeigt. Sollten die Ergebnisse nicht rasch besser werden, werden die bekannten Mechanismen greifen, Martin Jol wird gefeuert und einer neuer Coach kann versuchen die Saison noch zu retten.
Quelle: http://mag.fussball-forum.de/3029/premier-league-200708-ueberraschendes-tabellenbild-nach-dem-9-spieltag
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